Cannabinoide in der Medizin
Verordnung von Cannabinoiden
Ein weiterer Schwerpunkt meiner privatärztlichen Praxis ist die ärztliche Beschäftigung mit Cannabinoiden und – nach sorgfältiger Prüfung der medizinischen Voraussetzungen – deren mögliche Verordnung bei entsprechenden Indikationen.
Seit meiner experimentellen wissenschaftlichen Promotionsarbeit von 1972 mit dem Thema „Akute Haschischeinwirkung auf den Menschen“ mit neurophysiologischen Untersuchungen, einschließlich EEG-Ableitung, habe ich mich intensiv mit den positiven und negativen Wirkungen von Cannabis beschäftigt und die wissenschaftliche Literatur hierzu weltweit verfolgt.
Nach der Entdeckung des Endocannabinoidsystems nahm die Forschung weltweit deutlich zu. Seither werden Wirkungen, Risiken und mögliche medizinische Einsatzbereiche von Cannabinoiden intensiv wissenschaftlich untersucht.
Cannabinoidhaltige Arzneimittel können bei entsprechender medizinischer Indikation ärztlich verordnet werden. Ob eine solche Behandlung im konkreten Fall medizinisch angezeigt ist, welches Präparat und welche Dosierung in Betracht kommen und ob eine Kostenübernahme durch einen Kostenträger möglich ist, muss jeweils individuell geprüft werden.
In meiner jahrzehntelangen beruflichen Tätigkeit als Klinikarzt und in freier Praxis habe ich mich dabei insbesondere auch mit den für die Psyche bedeutsamen Cannabinoiden THC und CBD (Cannabidiol) beschäftigt.
Ketamin und Musiktherapie
Ketamin in der Behandlung depressiver Erkrankungen
Was ist Ketamin?
Ketamin ist ein Medikament, das seit den 1970er-Jahren als Narkosemittel für chirurgische Eingriffe beim Menschen und am Tier sowie in der Notfallmedizin eingesetzt wird.
Seit vielen Jahren wird Ketamin wissenschaftlich auch im Zusammenhang mit der Schmerztherapie und verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen, insbesondere schweren depressiven Erkrankungen, untersucht und therapeutisch eingesetzt.
Ob und in welcher Form eine Ketaminbehandlung im Einzelfall in Betracht kommt, bedarf einer individuellen ärztlichen Prüfung.
Wie wird es verabreicht?
Ketamin wird unter ärztlicher Aufsicht verabreicht. Es gibt unterschiedliche Darreichungsformen, beispielsweise intravenöse Infusionen, intramuskuläre und subkutane Injektionen sowie sublinguale, nasale, orale und rektale Applikationen.
Ich wende in meiner Praxis ausschließlich die sublinguale, nasale oder intramuskuläre Applikationsform an, da sich diese besonders mit dem musikpsychotherapeutischen Prozess verbinden lässt.
Wie wirkt es?
Die Wirkweise ist im Einzelnen noch nicht vollständig aufgeklärt. Die wissenschaftliche Forschung beschäftigt sich unter anderem mit den Auswirkungen von Ketamin auf neuronale Signalwege und die Neuroplastizität.
Während der Wirkung, die nach kurzer Zeit einsetzen kann, kann es zu einem traumartigen Zustand zwischen Wachen und Schlafen sowie zu Veränderungen der Körper- und Selbstwahrnehmung kommen. Dabei können beispielsweise Gefühle des Schwebens oder des Losgelöstseins vom Körper auftreten.
Auch die Wahrnehmung von Geräuschen und Klängen kann sich verändern, weshalb sich dieser Zustand musiktherapeutisch begleiten lässt. Dabei können auch biografisch bedeutsame Erlebnisse und Erinnerungen auftreten, die anschließend im therapeutischen Prozess aufgegriffen werden können.
